CDP 2026: Neue Fragen, Fristen und Anforderungen im Überblick
CDP 2026 bringt spürbare Änderungen für Unternehmen, die ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten offenlegen: neue Fragen zu Ozeanen, breitere Anforderungen bei Adaptation & Resilience, ausgeweitete Plastics-Offenlegung, zusätzliche Scoring-relevante Forests-Rohstoffe sowie neue Anforderungen für SMEs. Parallel dazu steht der Zeitplan für den Disclosure-Zyklus bereits fest – von der Veröffentlichung der Fragebögen ab der Woche vom 20. April 2026 bis zur Veröffentlichung der Scores in der Woche vom 30. November 2026.

Hanna Fauß
Senior Sustainability
Consultant
CDP 2026: Diese Änderungen müssen Unternehmen jetzt kennen
CDP entwickelt sein Disclosure-System 2026 gezielt weiter, um Unternehmen besser bei der Offenlegung umweltbezogener Risiken, Abhängigkeiten und Chancen zu unterstützen. Laut CDP haben im Vorjahr mehr als 23.100 Organisationen offengelegt; zugleich verlangen über 540 Finanzinstitute mit mehr als 110 Billionen US-Dollar an Assets in 2026 von über 43.000 Organisationen Umweltinformationen. Das zeigt: CDP ist längst nicht mehr nur ein freiwilliges Nachhaltigkeitsformat, sondern ein zentraler Referenzpunkt für Kapitalmarkt, Kundenanforderungen und Lieferkettenkommunikation.
Was ist 2026 neu bei CDP?
Die wichtigsten Änderungen lassen sich in fünf Kernpunkte zusammenfassen:
- Erstmals Ozean-bezogene Fragen im Fragebogen
- Breitere Abfrage zu Anpassung und Resilienz
- Ausbau der Plastics-Offenlegung
- Erweiterung des Forests-Scorings auf Kakao, Kaffee und Kautschuk
- Neue SME-Metriken für Forests und Water Security sowie ein SME A Score
Diese Neuerungen sind kein rein redaktionelles Update. Vielmehr baut CDP seine Abdeckung von Umwelt- und Naturrisiken weiter aus und stärkt zugleich die Anschlussfähigkeit an relevante Rahmenwerke wie TNFD, GRI, SBTN, GHG Protocol sowie bestehende Offenlegungsstandards im Markt.
1. Ozean-Fragen: Ein neues Kapitel der Nature Disclosure
Zum ersten Mal integriert CDP Ozean-Fragen in den Corporate Questionnaire. Damit reagiert CDP auf die wachsende Nachfrage nach belastbaren Daten zu marinen Ökosystemen, Blue Economy, Lieferkettenwirkungen und naturbezogenen Risiken. Die neuen Fragen werden in bestehende Module eingebettet – etwa in Risikomanagement, Governance, Strategie, Targets und Verifikation. Für Unternehmen mit Ozean-bezogenen Auswirkungen oder Abhängigkeiten ist das ein wichtiger Schritt hin zu einer umfassenderen Nature Disclosure.
Wichtig dabei: Ozean-bezogene Inhalte werden 2026 noch nicht gescored. CDP gibt Unternehmen damit bewusst Zeit, Datenstrukturen und Prozesse für die neue Themenwelt aufzubauen. Gerade für Unternehmen aus hochrelevanten Sektoren – etwa Shipping, Offshore Energy, Fischerei, Aquakultur oder rohstoffintensiven Lieferketten – steigt damit jedoch schon jetzt der Handlungsdruck.
2. Adaptation & Resilienz werden deutlich wichtiger
Ein zweites zentrales Update betrifft die Erweiterung bestehender Fragen zu Adaptation und Resilienz. CDP reagiert damit auf die steigende Relevanz physischer Klima- und Naturrisiken. Künftig geht es noch stärker darum, wie Unternehmen Risiken nicht nur erkennen, sondern konkret managen, in Strategie und Finanzplanung einbinden und daraus gegebenenfalls auch Chancen ableiten.
CDP ergänzt dafür bestehende Module um zusätzliche Informationen zu Governance, Risiko- und Chancenbewertung, strategischer Einbettung, finanziellen Auswirkungen und Engagement-Aktivitäten. Für Unternehmen bedeutet das: Aussagen zu Klimarisiken müssen 2026 noch stärker mit belastbaren Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Umsetzungslogiken unterlegt werden. Zudem nimmt CDP kleinere Anpassungen an der Scoring-Methodik vor, um bessere Offenlegung zu Adaptation und Resilience gezielt zu incentivieren.
3. Plastics Disclosure skaliert weiter
Auch im Bereich Plastics baut CDP die Anforderungen aus. Hintergrund ist die wachsende Markterwartung an Transparenz zu Kunststoffströmen, Verpackungsformaten, Recyclingfähigkeit, Kompostierbarkeit, Reuse-Modellen und Zielsystemen. Unternehmen, die 2026 im Corporate Questionnaire auf Plastics optieren, werden detaillierter berichten müssen – etwa zu Targets, Verpackungsarten oder dem Einsatz zirkulärer Modelle wie Refill und Return.
Dabei gilt ebenfalls: Plastics-Inhalte werden 2026 noch nicht gescored. Dennoch sollten Unternehmen das Thema nicht unterschätzen. Wer seine Datenlogik für Materialien, Verpackung und zirkuläre KPIs jetzt nicht vorbereitet, wird mittelfristig mit höherem Aufwand und geringerer Datenqualität konfrontiert sein.
4. Forests: Kakao, Kaffee und Kautschuk werden Scoring-relevant
Besonders relevant für viele Lieferketten ist die Erweiterung des Forests-Scorings. Neben Rind, Palmöl, Soja und Holz werden 2026 nun auch Kakao, Kaffee und Kautschuk in die Scoring-Logik aufgenommen. CDP reagiert damit auf die hohe Entwaldungs- und Konversionsrelevanz dieser Rohstoffe und richtet die Methodik stärker auf alle wesentlichen High-Impact Commodities aus.
Zusätzlich nimmt CDP Anpassungen bei der Berichterstattung zu No-Deforestation- und No-Conversion-Zielen vor, um die Anforderungen besser mit Standards und Frameworks wie SBTN und dem Accountability Framework abzustimmen. Für Unternehmen mit entsprechenden Lieferketten bedeutet das: Die Forests-Offenlegung wird strategischer, datenintensiver und enger mit Zielsystemen, Governance und Sourcing-Ansätzen verzahnt.
5. Neue Anforderungen für SMEs
Auch kleinere und mittlere Unternehmen stehen 2026 stärker im Fokus. CDP führt neue SME-Metriken für Forests und Water Security ein und ermöglicht erstmals einen SME A Score. Das ist besonders relevant für KMU, die Teil größerer Lieferketten sind und zunehmend naturbezogene Daten an Kunden und Finanzierer liefern müssen.
Zugleich gibt es eine wichtige Einschränkung: Unternehmen, die über RE100 angefragt werden, können laut CDP nicht mehr den SME Questionnaire nutzen, da die dafür nötigen Datenpunkte nur im vollständigen Fragebogen abgebildet werden. Für betroffene Unternehmen ist eine frühzeitige Einordnung des passenden Fragebogens daher entscheidend.
Die wichtigsten CDP-2026-Fristen auf einen Blick
Der Zeitplan für den CDP-Disclosure-Zyklus 2026 ist bereits klar definiert und sollte frühzeitig in die Projektplanung aufgenommen werden:
- Woche vom 20. April 2026: Veröffentlichung von Questionnaire und Guidance
- Woche vom 27. April 2026: Veröffentlichung der Scoring-Methodik
- Woche vom 27. April 2026: Öffnung der Request Lists
- Woche vom 8. Juni 2026: Deadline für Request Lists
- Woche vom 15. Juni 2026: Öffnung des Response Window
- Woche vom 14. September 2026: Scoring Deadline
- Woche vom 26. Oktober 2026: Final Response Deadline
- Woche vom 30. November 2026: Veröffentlichung privater und öffentlicher Scores
Für Unternehmen ist vor allem die Scoring Deadline im September relevant: Antworten können danach zwar noch angepasst werden, diese Änderungen fließen jedoch nicht mehr in die Bewertung ein. Spätestens mit Öffnung des Response Window im Juni sollten Daten, Verantwortlichkeiten und Review-Prozesse deshalb belastbar stehen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Die CDP-Änderungen 2026 zeigen deutlich: Offenlegung entwickelt sich weiter von einer reinen Reporting-Übung hin zu einem Instrument für Risikosteuerung, Resilienz und strategische Entscheidungsfindung. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig prüfen,
- welche neuen Themen für sie relevant werden,
- ob zusätzliche Datenpunkte zu Ozeanen, Plastics oder Adaptation erforderlich sind,
- ob Lieferketten-Rohstoffe wie Kakao, Kaffee oder Kautschuk künftig stärker in den Fokus rücken,
- und ob bestehende Prozesse für Governance, Targets und Nachweisführung ausreichend robust sind.
Gerade dort, wo CDP 2026 neue Themen zunächst noch nicht scored, lohnt sich ein proaktiver Ansatz. Denn erfahrungsgemäß sind genau diese Themen die Vorstufe für künftige Markterwartungen, detailliertere Datenerhebungen und weiterentwickelte Bewertungslogiken. Wer jetzt strukturiert vorbereitet, reduziert nicht nur operativen Aufwand im laufenden Zyklus, sondern stärkt gleichzeitig die eigene Position gegenüber Kunden, Investoren und weiteren Stakeholdern.
Fazit
CDP 2026 bringt keine kosmetischen Anpassungen, sondern inhaltliche Erweiterungen mit strategischer Relevanz. Unternehmen müssen sich auf neue Fragen zu Ozeanen, stärkere Anforderungen bei Adaptation & Resilience, weiter ausgebaute Plastics-Offenlegung und ein erweitertes Forests-Scoring einstellen. Gleichzeitig setzt der klar definierte Zeitplan enge operative Leitplanken für die Vorbereitung.
Wer CDP 2026 erfolgreich bewältigen will, sollte jetzt mit der Gap-Analyse, Datenprüfung und internen Verantwortungszuordnung starten. Genau darin liegt die Chance: nicht nur fristgerecht zu berichten, sondern Offenlegung als Hebel für bessere Steuerung, höhere Transparenz und stärkere Resilienz zu nutzen.


